Comics und Manga selbst entwickeln, zeichnen und erzählen: In unseren Workshops lernen Kinder und Jugendliche Schritt für Schritt, wie aus einer ersten Idee eine eigene Comicgeschichte entsteht.
Dabei steht nicht nur das Zeichnen im Mittelpunkt. Die Teilnehmer lernen auch, wie man Figuren entwickelt, Geschichten erzählt, Spannung aufbaut, mit Bildern arbeitet und einen Comic professionell gestaltet.
Der genaue Ablauf wird immer an Alter, Vorkenntnisse, Gruppengröße und verfügbaren Zeitrahmen angepasst.
1. Kennenlernen und Einstieg
Zu Beginn stellt sich der Workshopleiter vor und kommt mit den Teilnehmern ins Gespräch. Was lesen sie? Welche Comics oder Manga kennen sie? Welche Figuren und Geschichten mögen sie?
Dabei entstehen schnell Gemeinsamkeiten und ein persönlicher Zugang zum Thema. Zur Inspiration bringt der Workshopleiter eine Auswahl unterschiedlicher Comics und Manga mit.
Anschließend werden gemeinsam wichtige Regeln für den Workshop besprochen – beispielsweise zum Verhalten in der Gruppe, zu Essen und Trinken, Toilettengängen oder zur Nutzung von Handys.
Erste Zeichenübung
Danach folgt eine einfache praktische Zeichenaufgabe. So können die Teilnehmer ganz ohne Leistungsdruck loslegen und der Workshopleiter bekommt einen Eindruck davon, welche Erfahrungen und zeichnerischen Fähigkeiten bereits vorhanden sind.
Auf dieser Grundlage kann der Workshop individuell angepasst werden. Teilnehmer, die bisher wenig oder noch gar nicht gezeichnet haben, erhalten entsprechend mehr Unterstützung, Hilfestellungen und Vorlagen.
2. Geschichten erzählen – die Grundlagen
Ein Comic besteht nicht nur aus schönen Zeichnungen. Eine gute Geschichte braucht einen Grundaufbau.
Dafür verwenden wir ein einfaches 3-Punkte-System, das auch jüngere Teilnehmer schnell verstehen:
Held – Gegenspieler – Konflikt
Wer ist die Hauptfigur? Wer oder was stellt sich ihr entgegen? Und welches Problem muss gelöst werden?
Anhand von bekannten Geschichten und einfachen Beispielen erklären wir, wie Figuren funktionieren, wie Spannung entsteht und wie eine Geschichte zu einem passenden Ende geführt werden kann.
Praktische Übung
Jeder Teilnehmer entwickelt und zeichnet zunächst einen eigenen Helden.
Anschließend werden die Zeichnungen weitergegeben. Der nächste Teilnehmer entwickelt zu dieser Figur einen passenden Gegner.
So entstehen überraschende Kombinationen und gleichzeitig wird spielerisch vermittelt, wie unterschiedliche Figuren miteinander funktionieren.
Anschließend werden die Ergebnisse gemeinsam betrachtet und besprochen.
3. Die eigene Comicgeschichte entwickeln
Nun geht es an das eigentliche Comicprojekt.
Gemeinsam sammeln wir Ideen und entwickeln das Thema der Geschichte. Dabei können die Teilnehmer eigene Erfahrungen, Interessen und Vorstellungen einbringen.
Gerade bei Jugendlichen können dabei sehr persönliche Themen entstehen – beispielsweise Freundschaft, Schule, Mobbing, Ängste oder Erfahrungen aus dem eigenen Alltag. Solche Situationen können sehr intensiv und emotional sein.
Deshalb legen wir großen Wert auf einen respektvollen und geschützten Umgang innerhalb der Gruppe. Wenn besondere Voraussetzungen oder Themen bereits bekannt sind, kann der passende Workshopleiter mit entsprechender Erfahrung eingesetzt werden.
Je nach Workshop kann anschließend entweder eine gemeinsame Geschichte entstehen oder jeder Teilnehmer entwickelt seinen eigenen Comic.
Von der Idee zum Storyboard
Bevor die fertigen Comicseiten gezeichnet werden, entstehen zunächst Skizzen und Vorskizzen.
Die Teilnehmer lernen dabei die Grundlagen des Storyboardings und überlegen:
- Wie soll die Geschichte ablaufen?
- Welche Figuren kommen vor?
- Was passiert in den einzelnen Szenen?
- Wie viele Seiten soll der Comic haben?
- Wie werden die Bilder auf der Seite angeordnet?
- Wie soll der Comic heißen?
Auch visuelles Referenzmaterial und eigene Ideen werden gesammelt und in die Planung einbezogen.
4. Sprechblasen und Lettering
Ein Comic erzählt seine Geschichte nicht nur durch Bilder.
Die Teilnehmer lernen, wie Sprechblasen, Gedankenblasen, Geräusche und Texte eingesetzt werden. Außerdem gibt es eine Einführung in die Grundlagen des Letterings, also der Gestaltung und Platzierung von Comictexten.
Dabei wird vermittelt, wie Text und Zeichnung zusammenarbeiten und warum die richtige Platzierung einer Sprechblase für die Lesbarkeit einer Szene wichtig ist.
5. Vom Entwurf zur fertigen Comicseite
Jetzt wird es praktisch.
Der Workshopleiter stellt verschiedene Materialien und Arbeitsweisen vor, die auch professionelle Comiczeichner verwenden:
Papier, Bleistifte, Fineliner, Tusche, Radierer, Leuchttisch und digitale Werkzeuge.
Dabei wird nicht nur erklärt, wofür die einzelnen Materialien verwendet werden, sondern auch, welche Alternativen es gibt und wie man mit einfachen Mitteln professionelle Ergebnisse erzielen kann.
Die ersten Comicseiten
Aus den vorbereiteten Skizzen entstehen nun die ersten richtigen Comicseiten.
Zunächst werden die Seiten mit Bleistift ausgearbeitet. Der Workshopleiter begleitet die Teilnehmer während des gesamten Prozesses, gibt Tipps und hilft bei Fragen oder schwierigen Zeichnungen.
Dabei wird regelmäßig über die Schulter geschaut und individuell unterstützt – ohne den Teilnehmern die eigene kreative Arbeit abzunehmen.
Inken und Fineliner
Wenn die Bleistiftzeichnungen fertig sind, beginnt das Inken.
Mit Finelinern werden die Zeichnungen sauber ausgearbeitet und wichtige Linien verstärkt. Anschließend werden die Sprechblasen und Texte eingefügt.
Wer mit seinen Comicseiten bereits fertig ist, kann zusätzlich ein eigenes Titelbild für seine Geschichte gestalten.
Farbe
Ob die Comics zusätzlich koloriert werden, hängt vom verfügbaren Zeitrahmen und vom Arbeitstempo der Gruppe ab.
Grundsätzlich stehen jedoch verschiedene Farben und Materialien zur Verfügung. So können die Teilnehmer ihre Comicseiten – wenn es die Zeit erlaubt – auch farbig gestalten.
6. Präsentation und Abschluss
Zum Abschluss werden die entstandenen Comics gemeinsam betrachtet und besprochen.
Die Teilnehmer können ihre Arbeiten vorstellen und erzählen, wie ihre Geschichte entstanden ist und welche Ideen dahinterstecken.
Jeder Teilnehmer erhält zum Abschluss ein Teilnahmezertifikat.
Je nach Workshop dürfen die Teilnehmer außerdem ihre verwendeten Fineliner als kleines Andenken mit nach Hause nehmen.
Das Wichtigste: Eigene Ideen entwickeln
Bei unseren Comic- und Manga-Workshops geht es nicht darum, dass alle am Ende exakt dasselbe Bild zeichnen.
Jeder Teilnehmer soll seine eigene kreative Stimme entdecken.
Deshalb wird der Workshop individuell auf die Gruppe angepasst. Anfänger bekommen die Unterstützung, die sie benötigen, während erfahrenere Zeichner eigene Ideen weiterentwickeln und anspruchsvollere Aufgaben übernehmen können.
So entsteht am Ende nicht nur ein fertiger Comic, sondern vor allem die Erfahrung:
„Ich kann meine eigene Geschichte erzählen und selbst einen Comic zeichnen.“
